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Xing? …bin dann mal weg

von Michael J. Erner | 4. Dezember 2007

Vor dem Hintergrund der jüngsten Neuerungen in Xing ziehe ich es vor, mich aus der Xing-Gemeinde zu verabschieden. Transparenz mag für manchen Nutzer gewollt und auch von Vorteil sein, für einen Datenschützer wirft sie Fragen und Stirnfalten auf. Als ich mich gestern morgen bei Xing eingeloggt habe, musste ich mit Erschrecken feststellen, dass “Neues aus meinem Netzwerk” mit einer Opt-Out-Version versehen ist, wie fast alle Funktionen bei Xing. Dieses Transparenzgebaren, das schon letzte Woche durch die Verkündung des Ausschlusses einer verdeckten Mitgliedschaft in den Foren in meinen Augen einen fast unerträglichen Höhepunkt gefunden hat, überschreitet m.E. die Grenze der Verhältnismäßigkeit.

Ich erachte es als äußerst mühselig, ständig darauf achten zu müssen, dass Änderungen und Erweiterungen in den Funktionen das Risiko bergen, irgendwann mein Profil im Internet oder in Datenbanken wieder zu finden, von denen ich gar nicht weiß, dass sie existieren. Öffentliche Quellen lautet das Stichwort und das Internet vergisst nicht, wie durch zahlreiche Publikationen schon belegt ist. Selbstbestimmung rückt somit bei Xing hinter die Geschäftsinteressen des Betreibers zurück. Rechtlich mag das einwandfrei sein, weil man ja freiwillig seine Daten einpflegt. Aber genau so freiwillig kann man sie auch löschen, bevor das Ganze nicht mehr überschaubar ist. Manch einer mag mich paranoid nennen und meine Sichtweise belächeln, dennoch möchte ich als Beispiel der potentiellen Auswüchse der Freiwilligkeit solcher Datenbanken auf einen Artikel aus der Welt-Online verweisen, in dem Xing sogar schon erwähnt ist. Eben darum “bin ich dann mal weg …”, freue mich aber darauf, den Kontakt zu Ihnen, zu euch auf konventionellen Wegen zu pflegen. Wer mich sucht, findet mich auch ohne Xing.

Topics: Allgemein, Informationsgesellschaft, Medien, Selbstbestimmungsrecht |

Keine Reaktion zu “Xing? …bin dann mal weg”

  1. Das digitale Leben …, oder: Kam der Tod mit der Kündigung? | MISSIONSBLOG
    Am 4. Dezember 2007 um 13:37 Uhr

    [...] der vielen anderen Netzwerke interessant erscheinen lassen. Ich persönlich hatte bis zu meinem Ausstieg bei Xing das System vornehmlich als besseres Branchenbuch genutzt. Es war schon praktisch, durch eine [...]

  2. Michael J. Erner
    Am 7. Dezember 2007 um 02:30 Uhr

    Mein Xing-Austritt hat Eingang in die Presse gefunden und wird in der Blogosphäre diskutiert. Schön, es gibt also Ansichten, die den meinigen konform gehen. Nachzulesen hier und hier. Sogar Lars Hinrichs, Chef der Xing AG, hat sich zu Wort gemeldet … und sich auch mit meinen Ansichten und Kommentaren beschäftigt. Findet sich hier, hier und hier.
    Anbei: Die Funktion zur Kündigung der Xing-Mitgliedschaft ist gut versteckt. Hier geht’s direkt zur Abmeldung

  3. Michael J. Erner
    Am 12. Januar 2008 um 18:33 Uhr

    Nachdem sich Xing seit dem 01. Januar der Werbefinanzierung widmet, reißen die Diskussionen nicht ab. Andreas Achtziger hat hierzu in der Datenblackbox eine Themenreihe aufgemacht…
    Noch eine Anmerkung. Trotz meiner Kündigung und einer damit verbundenen Löschung meiner Daten bei Xing am 06.12.07 habe ich zu Weihnachten eine Email von Xing bekommen. Die besten Wünsche zu Weihnachten und einen guten Rutsch … Na dann. Wer glaubt, dass seine Xing-Datensätze mit einer Kündigung ins Nirwana entschwinden, sei hiermit eines Besseren belehrt.

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