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Fragen Sie Ihren Arzt oder Google Desktop

von Michael J. Erner | 22. Februar 2008

„Gesundheit“ sagt man, wenn jemand niest. Nach Knigge ist das aber nicht mehr zeitgemäß, weil man einen Nieser als einen unerheblichen Zwischenfall wertet, der nicht durch ein schallendes „Gesundheit!“ zu einem Drama gesundheitlichen Verfalls verfremdet werden sollte. Vielmehr sollte derjenige, der niest, sich bei seiner Umgebung dafür entschuldigen…

Ein gesundheitlicher Verfall ist das, was sich gedanklich bei dieser Heisemeldung über Google und Patientendaten aufdrängt. In der Cleveland Clinic in den USA soll in einem Pilotversuch eine von Google angebotene elektronische Patientenakte getestet werden, mit dem Ziel, „einen reibungslosen Austausch von und ständigen Zugang zu Patientendaten wie Vorerkrankungen, Allergien und Rezepten für Mediziner, Apotheken und Versicherungen zu schaffen“. Zunächst sollen 1.500 bis 10.000 Patienten der Klinik freiwillig an dem Test teilnehmen. „Entschuldigung“, geschätzte Patienten der Cleveland Clinic, merkt ihr noch was?

Hierzulande debattieren die Vertreter des Gesundheitswesen seit Jahren über die elektronische Gesundheitskarte. Als vorteilhaft hieran wird insbesondere hervorgehoben, dass im Gesundheitswesen der Zukunft weniger Menschen sterben, weil Datenbanken jede Medikamentenintoleranz aufdecken und Ärzte ad hoc lebensrettende Informationen erhalten, Doppeluntersuchungen fallen weg, weil jeder Arzt besser informiert ist.

Nach offiziellen Angaben sterben in Deutschland jährlich rund 16000 Menschen, weil verordnete Medikamente nicht zueinander passen. Hier soll die elektronische Gesundheitskarte Abhilfe schaffen. Sie birgt hinter sich ein Netzwerk mit riesigen Datenbanken. Rund 80 Millionen gesetzlich und privat Versicherte werden mit fast 200000 Ärzten, 2200 Krankenhäusern, 21000 Apotheken und 300 Krankenversicherungen verknüpft. Rezepte sollen auf elektronischem Wege abgewickelt, Arzneimitteldokumentationen angelegt, Arztbriefe, Befunde und Röntgenbilder in virtuellen Patientenakten gespeichert werden.

Kritiker sehen diese geplante Entwicklung jedoch ein wenig anders. So könnte z.B. Hackern der Zugang zu Patientenakten erleichtert werden. Auf dem Markt sind solche Informationen Millionen wert, und besonders hoch gehandelt werden dürften die Krankengeschichten von Prominenten. Daneben dürfte die Erfassung von Patientendaten in einem Netzwerk von Interessensvertretern auch im Fokus von Gruppierungen stehen, die sicherlich gerne an der Datenqualität partizipieren würden. Es soll hier nicht darauf abgestellt werden, dass die Gesundheitskarte als datenschutzrechtliches Teufelswerk verstanden werden könnte. Ein Risiko ist sie aber allemal und findet von daher in der planerischen Ausgestaltung eine dementsprechend risikoorientierte Berücksichtigung. Dokumentationen hierzu finden Sie hier und hier.

Ob Google sich mit der Entwicklung von „Google Health“ an den Interessen von Patienten orientiert oder das System als eine weitere Einnahmequelle betrachtet, dürfte ein Bericht der InformationWeek klären. Hiernach gäbe es nach firmeninternen Aussagen bereits sehr viele Menschen, die bei Google nach Gesundheitsthemen stöberten, und die Industrie fülle das Web ständig mit neuen Informationen.

Na prima. Zukünftig bietet Google Desktop dann sicher auch eine medizinische Diagnose an. Man braucht nur noch seine persönlichen Befindlichkeiten auf dem privaten PC speichern und Google kümmert sich um die Medikation. Die Pharmaindustrie wird es danken …

Topics: Allgemein |

Keine Reaktion zu “Fragen Sie Ihren Arzt oder Google Desktop”

  1. Dr. Sarah S. Weiß
    Am 25. Februar 2008 um 13:34 Uhr

    Spätestens an der Stelle, wo Google Health sich Screenshots nach beispielsweise für die Diabetes des Partners interessiert, stellt sich mir schon die Frage, inwiefern es hier ausschließlich darum geht, den Nutzern medizinische Vorteile zu verschaffen. Denn die Tatsache, dass mein Partner Diabetes hat, würde ich - zugegebenermaßen medizinischer Laie, aber ich lasse mich gerne belehren - als für meine Therapierung “vernachlässigbar” halten. Aber deshalb gleich monetäre Interessen zu wittern: Honi soit qui mal y pense - man kennt doch den Google-Slogan … allerdings drängt sich langsam die Frage auf, ob bei Google die Tasten j, u, s und d, o, n (den unterschlagenen Apostroph sehe man mir bitte nach) vertauscht sind …

  2. Michael J. Erner
    Am 25. Februar 2008 um 19:20 Uhr

    Da ist sie nun, unsere “Unbekannte”, und ich kann mich als den, der ihre Artikel veröffentlichen darf, zurückziehen, weil sie das jetzt selbst macht … :-))
    Ja, auch ich habe mich gefragt, was das heißt… Man tausche j, u und s gegen d, o und n und aus dem Google - Slogan “don’t be evil” wird “just be evil…” Ich musste auch nachfragen, was sie damit meinte… Liebe Sarah, mach es bitte nicht so kompliziert… . Wir wollen schließlich noch verstehen, was du schreibst. Und für die Nichtfranzosen unter uns: “Honi soit qui mal y pense” der Spruch auf dem Hosenbandorden der Engländer lautet übersetzt: “Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…” Na sowas. Hat was von Verschwörungstheorien. ;-)

  3. Googlezon | MISSIONSBLOG
    Am 16. März 2008 um 13:14 Uhr

    [...] hat sich erweitert. Wieder einmal. Nach Google Earth, Google Maps, der Google Patientenakte und vielen anderen Applikationen gibt es jetzt auch Google Sky. Der Anwender kann in der Karte nach [...]

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