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Flatulenzen und der wilde Osten

von Dr. Sarah S. Weiß | 8. März 2008

Luther ist nicht nur für seine 95 Thesen bekannt, sondern auch und gerade für den einen oder anderen drastischen Ausspruch, wie „Einem verzagten Arsch entkommt kein fröhlicher Furz.“ Nun scheint, um in diesem Bild zu bleiben, der Allerwerteste unseres Innenministers nicht verzagt, denn ihm entkommt der fröhliche Furz, dass Deutschland von islamistischem Terror bedroht sei. Ohne eine potentielle Bedrohung verharmlosen zu wollen, scheinen Zweifel doch angebracht, wie eine demnächst veröffentlichte Studie nahelegt, über die beispielsweise die Tagesschau berichtete.

Diese Studie erscheint im März in den USA als Buch unter dem Titel “Who speaks for Islam?”. Seine Autoren wollen der muslimischen Bevölkerung von mehr als 35 Ländern, in denen diese einen bedeutenden oder gar den überwiegenden Anteil der Gesamtbevölkerung stellt, Gehör verschaffen. Wer das Buch hier bestellt, darf sich übrigens fast schon sicher sein, bei seinem nächsten Flug in die Staaten in den Genuss einer – nennen wir es mal bevorzugten Behandlung zu kommen. Als Basis der Studie diente eine Gallup-Befragung von weltweit 50.000 Muslimen zu ihren Einstellungen hinsichtlich Erziehung, Glauben, Demokratie, Kultur, Wohlstand und Medien.

Um mich nicht in evtl. langweiligen Details zu verlieren, seien nur einzelne Ergebnisse erwähnt - mehr gibt’s vorläufig z. B. hier oder hier.

80% der Befragten in zehn Ländern mit überwiegend muslimischer Bevölkerung bewundern am Westen vor allem die Freiheit, das Rechtssystem und die Redefreiheit (Wie lange sie dazu wohl noch Gelegenheit haben?!). Zwar ist in einigen Ländern der Anteil an Befürwortern der Scharia als einziger Quelle der Rechtssprechung hoch. Dennoch können insgesamt nur sieben Prozent der Muslime als radikal bezeichnet werden (im Klartext haben diese die Frage bejaht, ob sie die Anschläge vom 11. September befürworten und den USA gegenüber (sehr) negativ eingestellt sind – daraus lässt sich noch nicht ableiten, dass sie selbst zu Anschlägen bereit wären). Geschlagene 93% sind also dem moderaten Spektrum zuzurechnen. Es ist die westliche Politik, die Muslime ablehnen (und partiell kann man ihnen das nicht einmal verdenken). Obwohl moderate und radikale Moslems im Westen Respektlosigkeit gegenüber dem Islam sehen, betrachten beide Gruppierungen die Demokratisierung der muslimischen Gesellschaften als vorteilhaft. Den Freiheitsgedanken sehen sie vor allen anderen westlichen Demokratien in den USA verwirklicht. Deutschland landet bei dieser Frage auf Platz 4.

Was kann man nun aus diesen Ergebnisse ablesen? Nun, sicherlich, dass die breite Masse der Muslime nicht als politisch radikalisiert bezeichnet werden kann. Und doch begründen Politiker weltweit ihre Forderungen nach verschärften „Sicherheitsmaßnahmen“ mit der Bedrohung durch den Islam, konkreter auch mal die Muslime. Dass dies ein bisschen plakativ ist, dürfte ebenso unstrittig sein wie die Feststellung, dass dies den Tatsachen schwerlich gerecht wird. Aber es scheint ja auch gar nicht um Fakten zu gehen, sondern um Argumente für umfassendere Kontrollen. Da ist es mehr als günstig, dass z. B. Youssef el Hajdib, der mutmaßliche Kofferbomber vor seinen gescheiterten Anschlägen laut Focus „Euch werden, bei Gott, Blitze treffen“ verlauten ließ. Zwar sind solche „steinzeitlich“ anmutenden Zitate natürlich ein gefundenes Fressen (Allerdings auch nicht vollauf ungewöhnlich, äußerte doch kürzlich in einer privaten Unterhaltung ein Nicht-Muslime über das Gebahren eines Unternehmens und was er diesem wünsche: „möge sie der Blitz beim Sch….. treffen!“) für manchen Politiker und Medienvertreter. Alles in allem bleiben sie jedoch Äußerungen einzelner. Selbst wenn man von einer guten Vernetzung dieser einzelnen ausgeht, wird der denkende Mensch sich schwer damit tun, hieraus eine Bedrohung durch die Muslime zusammenzuschustern – wenn doch 93 % von ihnen als moderat zu gelten haben.

Um nun nochmal auf Luthers Furz zurückzukommen: Wäre es nicht eine ebenso spannende wie Gewinne versprechende Herausforderung für die deutsche Pharmaindustrie, ein geeignetes Mittel gegen allzu fröhliche Flatulenzen zu entwickeln?

Topics: Allgemein, Terrorismus, Überwachungsstaat |

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