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Neulich auf der Insel… eine Verneigung vor der Biometrie
von | 4. Mai 2008
Ist Ihnen eigentlich bewusst, dass die europäische Freizügigkeit des Schengen-Abkommens zwar die “neuen” EU-Mitgliedsstaaten umfasst, es aber mit “der Insel” noch einen Staat in Europa gibt, der weder eine Gemeinschaftswährung wünscht, noch ein freies Reisen unterstützt?
Nun, wer quasi als “Generalprobe” für eine USA-Reise einmal üben möchte, dem sei eine Reise zu den Briten empfohlen - zum Lowcost-Preis erhalten Sie hier alle Features eines “richtigen” Überwachungsstaates einmal live zum Ausprobieren: Als zentrale Anlaufstelle eignet sich London-Heathrow. Richtig, genau dort, wo die Koffer allein auf Reisen gehen …
Kaum gelandet, werden Sie Glasabtrennungen in der Mitte aller Flure und Korridore bemerken. Sie können auf keinen Fall direkt von Ihrer Maschine aus dem terroristischen Ausland (Europa) zu einem Anschlussflug gehen. Also führt Sie Ihr Weg zunächst zum Terminal 1 - zur zentralen Sicherheitsüberprüfung. Reisen Sie in einen Drittstaat weiter, dürfen Sie mitsamt Ihres notwendigen Handwerkszeuges ohne weitere Prüfung weiterreisen (bitte Bomben erst zünden oder Lithium-Akkus erst kurzschließen, wenn Sie den britischen Luftraum verlassen haben).
Wollen Sie in das Vereinigte Königreich einreisen, folgt eine sehr gründliche Überprüfung Ihrer Person und Ihrer Habe - die schlangenerprobten Briten haben sogar vorgesorgt und Teppiche ausgelegt, damit Sie auf dem Weg von der Schuhkontrolle bis zur Rückgabe eben dieser nicht frieren…
Um genau zu wissen, wer Sie sind, werden sicherheitshalber die Fingerabdrücke aller Finger mit Ausnahme des Daumens digital abgenommen und gespeichert. Zusätzlich wird ein biometrisches Foto (nicht lächeln, please!) angefertigt. Und schon fangen Ihre Probleme an, wenn Sie nicht dem britischen Standard eines Gutmenschen entsprechen: Mit etwas überdurchschnittlicher Größe stößt der Fingerscanner an seine Grenzen, und das Stativ der biometrischen Kamera endet bei einer Körperhöhe von 1,85m. Nach drei Versuchen, ein halbwegs unverzerrtes Foto zu fertigen (was natürlich bei einem entsprechend “Aufblickenden” Kamerabediener nicht funktioniert) wurde ich sehr höflich, aber bestimmt gebeten, vor der Technik ein wenig in die Knie zu gehen - des Datenschützers größter Graus: Kniefall vor Ihrer Majestät biometrischer Technik!
Den mehrfach vorhandenen Hinweisen folgend, die bereits bei verbalen Entgleisungen schwerste Strafen androhen, folgte also mein Kniefall… nicht ahnend, was mich später ereilen sollte!
Nun denn, also vom Terminal 1 weiter zum Inlandsterminal - Personalausweis mit Aufkleber “gescannt” und 2D Barcode präsentiert - und schon ging das Spiel von vorne los: Fingerscan (Scanner auch hier grenzwertig klein) und biometrisches Bild… zum Abgleich mit den vor fünfzehn Minuten erhobenen Daten.
Sie ahnen, was passierte? - Nun, auch hier war das Stativ eher auf aufrecht stehende Meerschweinchen denn ausgewachsene Nordeuropäer ausgelegt. In Kenntnis der Lösung des Problem also freiwillig eine Annäherung an den Boden, und… nichts! Ich hatte mir natürlich NICHT die exakte Höhe meines Kniefalls bei Kontrolle 1 gemerkt. Also zwei weitere nervtötende Versuche, dann ein “OK, Sir”.
Ach ja, zwei Hinweise für angehende Terroristen und Sicherheitsbehörden:
1) Raten Sie ´mal, wo die El Al Lounge untergebracht ist? - Richtig! Oberhalb der Sicherheitskontrollen im Terminal 1 - Informatiker nennen so etwas “Single Point of Failure”, weil kleine “Störungen” gleich verheerende Wirkung entfalten.
2) Bei der Ausreise entfallen diese Prozeduren - also wissen Ihrer Majestät Sicherheitsbehörden eigentlich nicht, wer noch “vor Ort” ist (dafür gibts auf der Insel ja auch reichlich Kameras…)
Ich bleibe gespannt, wie die Planungen der Briten, die biometrischen Erkennungsverfahren zu automatisieren, mir zukünftig mein Leben schwermachen werden. Ich halte es dann schon eher mit dem alten Asterix-Zitat: “Die spinnen, die Briten“… mal sehen, ob ich nochmal ´rein und auch wieder ´raus darf!
Topics: Ausland, Terrorismus, Überwachungsstaat |