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Die Kraft, die stets das Gute will und stets das Böse schafft
von Dr. Sarah S. Weiß | 8. Oktober 2008
Schon der olle Goethe wusste es: Mit dem, was man will, erreicht man oft das Gegenteil. Zwar wollte sein Mephistopheles das Böse und schaffte das Gute. Doch so war es bei der Berliner Gewerkschaft der Polizei nicht. Die wollte das Gute … allerdings ging der Schuss nach hinten los, und zwar gehörig. Schließlich verlor der Berliner Ableger der Polizeigewerkschaft Daten von 14000 Polizisten. Verglichen mit den Zahlen, an die wir uns in letzter Zeit in punkto Datenverluste gewöhnen, eine recht kleine Zahl. Der Schaden könnte jedoch enorm sein. Doch der Reihe nach:
Weil die alten Funkgeräte der Polizisten hin und wieder den Dienst verweigern, greifen die Beamten zu ihren Privathandys. Somit tragen sie die Kosten für eine halbwegs funktionierende Kommunikation selbst. Ein unhaltbarer Zustand – zweifellos. Um dies zu ändern und die Kommunikation zwischen den Polizisten zu vereinfachen, verteilte die Berliner Polizeigewerkschaft an ihre ca. 14000 Mitglieder kostenlose Handys, sogenannte GdP-Phones. Die Gespräche mit den Kollegen im E-Plus-Netz und mit den Dienststellen (Polizei, Feuerwehr etc.) bleiben damit kostenfrei. Doch gut war der GdP nicht gut genug. Weil selbst ein Polizist nicht die Nummern sämtlicher seiner Kollegen kennt, gab es für einen wirklich reibungslosen Informationsaustausch noch ein Online-Telefonbuch mit den Daten der GdP-Phone-Besitzer dazu.
Dolle Idee – dumm nur, dass diese Telefonliste nun im Netz die Runde macht, wie die GdP gegenüber Heise Online einräumte. Zwar weist der Landeschef der GdP, Eberhard Schönberg, Kritik an der Datenpanne von sich, da sich die Liste mit den Telefonnummern, Namen und Dienststellen in einem geschlossenen passwortgeschützten Mitgliederbereich der Gewerkschafts-Webseite befand. Doch irgendwie geriet sie nun einmal ins Internet – wie bleibt zu klären. Und zwar mit Nachdruck und konsequent. Denn wer über Daten verfügt, sollte dafür Rechnung tragen, dass sie sicher sind. Erst recht, wenn es so sensible Daten sind.
Warum „so sensibel“? Weil in der Liste auch die Namen von Beamten auftauchen, die im Bereich der Organisierten Kriminalität oder bei Spezialeinsatzkommandos tätig sind. Die können Kriminelle nun ganz gezielt ausspähen (Stichwort Handyortung) oder bedrohen. Doch selbst der gemeine Berliner Polizist könnte gefährlich leben: Wer glaubt, zu Unrecht hinter schwedischen Gardinen zu sitzen und den dafür Verantwortlichen in den Reihen der Polizei sieht, könnte auf Rache sinnen. Übrigens dürften sich auch Versicherungen für die Daten interessieren: Kranken-, Unfall- und Lebensversicherungen könnten unter diesen Bedingungen vielleicht ihre Prämiengestaltung überdenken wollen …
Die GdP übt sich derweil in Schadensbegrenzung: Beamte, die sich bedroht fühlen, bekommen eine neue Nummer – die nicht veröffentlicht wird. Das dürfte die Beamten in Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen freuen. Denn dort hat die GdP seit April 2008 schon mehr als 60.000 GdP-Phones an Gewerkschaftsmitglieder verteilt – Baden-Württemberg und Niedersachsen sollen folgen. Vielleicht sollte man die Gunst der Stunde nutzen, dass mittlerweile selbst das Innenministerium aus seinem Datenschutz-Dornröschenschlaf erwacht: So lange Behörden und deren Ableger mit eigenen Daten so schlampig umgehen, ist mir unwohl beim Gedanken daran, was noch alles auf uns zurollen könnte.
So viel zu Mephistos Bösem – das Gute? Mit dieser Panne hat sich Deutschland auf Platz 2 der Datenpannen-Top-Ten geschossen.
Topics: Datensicherheit, Informationstechnologie, Kurz notiert |
Am 23. Oktober 2008 um 22:03 Uhr
[...] Lust auf derartige Eingriffe in die Privatsphäre verlassen haben? Oder sollte man sich nach der GdP-Panne bewusst geworden sein, dass auch Polizeibeamte die Leidtragenden unscharfer Datenschutzbestimmungen [...]