« Die schwarze Liste | Home | Records Management - Zur Beherrschung der Informationsflut »

Über Fischgräten und eine Kampagne gegen Terroristen

von Michael J. Erner | 24. Mai 2009

In Deutschland wird gestorben, so, wie in jedem anderen Land der Welt auch. Und damit wir wissen, woran Menschen sterben, gibt es dazu vom Bundesamt für Statistik eine Zusammenfassung, die jährlich erscheint. In diesen Tabellen finden sich u.a. Angaben zu Unfallopfern, Krankheitsverläufen, Selbstmord und Tod durch Fremdeinwirkung. Interessanterweise werden demnach in Deutschland weniger Menschen ermordet, als bspw. durch „Fremdeinwirkung in den Atemwegen“ sterben. 2007 waren es 722 Leute, die in einer würdigen Betrachtung der Statistik an einer Fischgräte erstickt sind. Mehr Tote als durch Aids, die Vogelgrippe, BSE, Alzheimer oder terroristische Übergriffe. Letztere finden überhaupt keine Erwähnung, denn in Deutschland ist bislang niemand als Opfer des internationalen Terrorismus verzeichnet. Dennoch ist der Schutz der Bevölkerung vor dem internationalen Terror eines der Hauptargumente zur Bekämpfung desselben in Deutschland und macht jeden zu einem potentiellen Verdächtigen, wovon man sich hier (Meinen Respekt an Alexander Lehmann für diese brillante Arbeit) überzeugen kann: Du-bist-Terrorist!

Man muss sich schon fragen, weshalb unser Bundesinnenminister so viel Aufwand betreibt, um eine Gefahr abzuwenden, die bislang nicht einen einzigen Todesfall zu verzeichnen hat.

Ich hatte hier schon darüber berichtet: Warum wollen Menschen einen Überwachungsstaat aufbauen? Warum verschließen sie sich Argumenten und warum wird der Abbau von Freiheit und Demokratie so systematisch betrieben?

Ein Zitat Hermann Görings lautet: “[...] schließlich sind es die Führer eines Landes, die die Politik bestimmen, und es ist immer leicht, das Volk zum Mitmachen zu bringen, ob es sich nun um eine Demokratie, eine faschistische Diktatur, um ein Parlament oder eine kommunistische Diktatur handelt. … das Volk kann mit oder ohne Stimmrecht immer dazu gebracht werden, den Befehlen der Führer zu folgen. Das ist ganz einfach. Man braucht nichts zu tun, als dem Volk zu sagen, es würde angegriffen, und den Pazifisten ihren Mangel an Patriotismus vorzuwerfen und zu behaupten, sie brächten das Land in Gefahr. Diese Methode funktioniert in jedem Land.” (Aus: Nürnberger Tagebuch / von G.M. Gilbert. Frankfurt a.M., 1962. S. 455).

Was bleibt, ist ein flaues Gefühl im Magen. Warum sollte man einem Staat trauen, der seinen Bürgern nicht traut?

Topics: Medien, Überwachungsstaat |

2 Reaktionen zu “Über Fischgräten und eine Kampagne gegen Terroristen”

  1. Weblogs – Nachrichten aus Wirtschaft, Finanzen, Politik, Unternehmen und Märkten – Handelsblatt.com « MöwenBlog von Martin Kelting
    Am 14. Juni 2009 um 14:24 Uhr

    [...] schützen? Sie Perverser, Sie!”) Je weiter die Wirtschaftskrise um sich greift, desto mehr Angst hat der Staat vor seiner Bevölkerung. Zensur war dann schon immer ein bewährtes Mittel. Fouche lässt grüssen. Oder Stasi, KGB, CIA [...]

  2. LD
    Am 28. August 2009 um 14:08 Uhr

    Wer sich nicht nach seinen Möglichkeiten wehrt, ist selber schuld. Daher sollten wir alle am 12. September 2009 am europaweiten Protestaktionstag “Freedom Not Fear - Stop Surveillance Mania” gegen die Überwachung durch Regierungen und Unternehmen teilnehmen!

Einen Kommentar schreiben