Datenselbstschutz, oder der teuflische Pakt

Ich verstehe da gerade etwas nicht.
Mein Verfassungsminister hat kürzlich das Supergrundrecht auf Sicherheit erfunden. Manch einer zweifelt zwar an der Seriosität dieser Aussage, aber ich glaube immer noch an das Gute im Menschen. Ist doch was Feines, so ein Rundum-Sorglos-Paket aus dem Hause Merkel, auch wenn man dafür Opfer bringen muss, die ganze Sache mit der Vorratsdatenspeicherung und die Überwachung des Netzverkehrs zum Beispiel. Und es ist ja auch ganz toll, wie sich die Nachrichtendienste um mein Wohl sorgen. Rund um die Uhr haben sie ein Auge auf mich.

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Big Data

Ein Mann geht in die örtliche Niederlassung einer Drogeriemarktkette und beschwert sich beim Niederlassungsleiter über Postsendungen, die an seine 16-jährige Tochter gerichtet wurden. Ärgerlich vertritt er den Standpunkt, dass mit Werbung für Mutterschaftskleidung, Kinderzimmerausstattung und Bildern glücklicher Säuglinge seine noch zur Schule gehende Tochter zu einer Schwangerschaft ermutigt würde. Der Niederlassungsleiter entschuldigt sich in aller Form beim besorgten Vater und wiederholt diese Entschuldigung ein paar Tage später telefonisch. Zu seiner Überraschung lässt Papi ihn in diesem Telefonat jedoch wissen, dass er es sei, der sich entschuldigen müsse. Er hätte ein Gespräch mit seiner Tochter gehabt und müsse eingestehen, dass in seinem Haus Dinge passiert seien, denen er sich nicht bewusst war. Die Geburt seines Enkels würde für den kommenden August erwartet. Fiktion à la Minority Report?

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Jeder will beschissen werden

Ich erinnere mich an einen Gast in einer Latenight Talkshow, der seinerzeit mittels Schwefelhexafluorid seine Stimme annähernd auf das Niveau der Hupe des Kreuzfahrers Queen Mary II herabsenkte (naja, nicht ganz und ich weiß, das Ding heißt Horn). Anschließend stellte er sich auf den Kopf, um das Gas in seinen Lungen wieder loszuwerden. Der Mann heißt Ranga Yogeshwar. Und er hat es drauf. Seine Fähigkeit Sachzusammenhänge so darzustellen, dass wirklich jedermann sie verstehen kann, ist bewundernswert. Letzte Woche erschien ein Interview mit ihm in der FAZ. Unter dem Titel „Rechnen Sie damit, lebenslang ein Verdächtiger zu sein“ stellt er seine Sicht der Dinge zum Thema Überwachung und Selbstbestimmung von Daten dar.

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Schufabook

Es ist eine Weile her, ja. Die Welt ist voll von Datenschutznachrichten und das macht ein Blog wie dieses nebensächlich. Aber die Meldungen der letzten Tage zur Schufa haben mich dann doch dazu gebracht, mal wieder ein paar Zeilen zu schreiben. Die Berichterstattung zur Schufa und der Ansatz, Facebook und andere soziale Netze für Kreditwürdigkeitsanalysen zu nutzen, ist schon vor Jahren von denen vorhergesagt worden, die wissen, dass technische Möglichkeiten Begehrlichkeiten wecken. Wenn damals darauf hingewiesen wurde, dass nur die Vermeidung von Datenverarbeitung wirksamen Datenschutz möglich macht, wurde das vielfach mit den Worten kommentiert: Wer nichts zu verbergen hat … bla bla bla. Sie kennen das alle. Aber: Weiterlesen

Der Fall Falciani: Oder wieso Datenklau mit Technik nichts zu tun hat

Der Fall Falciani wirft derzeit hohe Wellen. Ein Informatiker der HSBC-Bank in Genf hat einen umfassenden Satz von Kundendaten mitgehen lassen. Diese Daten hat er den französischen Steuerbehörden geliefert und dafür eine erkleckliche Summe kassiert. Zur Zeit untersucht die Finanzmarktaufsichtsbehörde der Schweiz (FINMA) die Vorgänge rund um diesen Datenklau.

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Die schwarze Liste

Ein Rechtsschutzversicherter, der bei 2 Fällen innerhalb von 12 Monaten oder bei 3 Fällen innerhalb von 36 Monaten seine Versicherung in Anspruch genommen hat, gilt nicht nur in Versicherungskreisen als Klagehansel und muss bislang mit einer Kündigung seines Vertrages rechnen. Möglich wird dies durch eine Datei namens Uniwagnis, oder auch “Hinweis- und Informationssystem”, kurz HIS. Diese vom “Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft” (GdV) betriebene schwarze Liste existiert seit 1993 und beinhaltet mittlerweile mehr als 10 Mio Datensätze von Versicherungskunden. Versicherungen, die an das System angeschlossen sind, stellen Informationen über das Schadensrisiko von Kunden und Antragstellern ein und begründen dies damit, dass HIS dazu beitragen soll, Versicherungsbetrug zu bekämpfen. Doch die Aufnahme in die Datei kann für Betroffene existenzbedrohend sein.

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Wer surfen kann, kann auch arbeiten

Bei Facebook soll es laut einem Bericht der Schweizer 20 Min AG bis vor kurzem ein Mitglied namens Hannelore Müller gegeben haben. Eine ehemalige Mitarbeiterin der Schweizer Versicherungsgesellschaft Nationale Suisse hätte neben weiteren Mitarbeitern der Versicherung von Frau Müller eine Freundschaftsanfrage erhalten und Frau Müller sei bei Facebook verschwunden, nachdem besagte Mitarbeiterin von der Versicherung gekündigt wurde. Die Kündigung begründete die Nationale Suisse damit, dass die Mitarbeiterin an einem Tag, an dem sie wegen Migräne krankgeschrieben gewesen sei, bei Facebook gesurft hätte. Weiter hätte es seitens der Versicherung geheißen: „Wer surfen kann, kann auch arbeiten“.

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Tradideldum – der DSB geht um

Gegen Ende jedweder Show vom Format “Deutschland sucht das Suppenhuhn” marschiert ein Notar ins Studio und überreicht den Moderatoren dienstbeflissen ein Kuvert mit den Namen der Sieger. Die Botschaft ist deutlich: ein Notar – hier geht alles mit rechten Dingen zu. Eine ähnliche Botschaft wollte wohl auch die WestLB aussenden, als sie verlauten ließ: “Unter Aufsicht eines Datenschutzbeauftragten wurden die Daten beim Empfänger gelöscht.” Unabhängig von der ohnehin angespannten Situation der Landesbanken war das aber auch nötig – schließlich hat eine Mitarbeiterin der WestLB versehentlich Daten der Bank an einen Privatmann versandt.

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Haftpflichtversichert?

Die Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung, kurz SCHUFA, hat den Geschäftszweck, ihre Vertragspartner vor Kreditausfällen zu schützen und nach Meinung der SCHUFA selbst trägt sie zudem zum Schutz der Verbraucher vor Überschuldung bei. Zu diesem Zweck erfasst sie nach eigenen Angaben folgende Daten: Name, Geburtsdatum, Wohnadresse inkl. ehemaliger Anschriften, Girokonten, Kreditkarten, Telekommunikationskonten, Kredit- und Leasingverträge, Anfragen zur Identität (z. B. Ebay) oder auch von Inkassodienstleistern nach der Bonität („Ist da was zu holen?“). Keine Informationen hat sie über Vermögensverhältnisse, dem Einkommen, oder allen Verbindlichkeiten. An der letzten Position wird gearbeitet. Nicht zwingend durch die SCHUFA selbst, sondern durch jene, die Gefallen am Scoring einer Person finden, wie zum Beispiel verschiedene Vertreter des Versicherungsgewerbes.

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Eierköpfe aufgepasst!

Liebe Bankräuber, tragen Sie bei Überfällen bitte eine Stoffmütze. Und vor allem sollten Sie darauf achten, MINOLTA DIGITAL CAMERAdass die Mütze Ihren Eierkopf nicht allzu sehr betont. Es könnte sein, dass die Helmerkennung einen Alarm auslöst. Welche Auswüchse die Kameraflut hierzulande entfalten kann, wurde mir neulich anhand eines Fotos gewahr, das mir unser Vereinsmitglied Jörg Lüders zukommen lassen hat. Eine Bank weist Motorradfahrer im Eingangsbereich „höflich“ darauf hin, dass Alarm ausgelöst wird, wenn man mit Helm die Räumlichkeiten betritt. Fragt sich, wie das Ganze funktioniert und vor allem, wie hoch die Quote der Fehlalarme ist.